Ein Social Media Manager als Qualitätsbeauftragter? MeissnerMedia

Ein Social Media Manager als Qualitätsbeauftragter?

Was bringt einen Social Media Manager dazu, Qualitätsbeauftragter zu werden?

Das ist eine Frage, die ich mir selbst in den vergangenen Wochen gestellt habe.
Wie ihr wisst, habe ich vor kurzem meine Weiterbildung zum Social Media Manager abgeschlossen. Genau in diesem Bereich will ich mich auch zukünftig beruflich etablieren. Aktuell lasse ich mich jedoch zum Qualitätsbeauftragten TÜV ausbilden und viele fragen mich, warum ich das mache, wo ich doch im Bereich Social Media Fuß fassen möchte.

Tatsächlich treffen hier zwei Welten aufeinander. Von einer sehr kreativen Tätigkeit zu einem Bereich mit Dokumentation, Normen und Richtlinien. Es war für mich in den ersten Tagen sehr schwierig, umzudenken und mich in die Welt der Zertifizierung hineinzuversetzen.

Auf den ersten Blick ist es nicht sehr einfach, diese beiden doch sehr unterschiedlichen Bildungsgänge miteinander zu verbinden.
Bei näherer Betrachtung, sieht dies aber etwas anders aus.

Was macht eigentlich ein Qualitätsbeauftragter?

Der Qualitätsbeauftragte ist mit den Grundlagen des Qualitätsmanagements sowie den Anforderungen der DIN EN ISO 9000 ff. vertraut. Der Qualitätsbeauftragte ist also in die Lage, ein Qualitäts-Management-System im Unternehmen zu errichten und bis zur Zertifizierung zu führen.

Info

Im Herbst 2015 ist die revidierte Norm für Qualitätsmanagementsysteme DIN EN ISO 9001:2015 in Kraft getreten und zum erstem Mal, werden nun auch die Bedürfnisse der Dienstleistungsbranche berücksichtigt und explizit aufgeführt.
In der bisherigen Norm war dies noch nicht vorgesehen.
Gerade weil die Bedeutung des Dienstleistungsgewerbes stetig zunimmt und den Kunden das Vergleichen von Leistungen immer wichtiger wird, gibt es in diesem Bereich großen Handlungsbedarf.
Die Anforderungen, die an den Dienstleister gestellt werden, findet man nun genau aufgeführt in der o.g. Norm. Da im Dienstleistungsprozess die Erbringung der Leistung und die Nutzung identisch sind, können Fehler nur schwer rückgängig gemacht werden. Mit der neuen Norm kann man die Qualitätstechniken nun speziell für Dienstleister ausarbeiten und umsetzen.
Weitere Informationen über die Änderung und Auswirkung der Revision DIN EN ISO 9001:2015 findet Ihr auf der Seite des TÜV Rheinland.

Was hat das ganze nun mit Social Media zu tun?

Um das ganze nun zu verknüpfen möchte ich einen Punkt aus der DIN EN ISO 9001:2015 herausnehmen.
Beispielsweise heißt es in Kapitel 7.4 Kommunikation:

“Die Organisation muss festlegen, wer, über was, wann, mit wem und wie kommuniziert werden soll.”

Social Media ist in der heutigen Zeit für viele Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Die Unternehmen möchte über die Web 2.0 Netzwerke wie z.B. Facebook, Twitter, Instagram oder Blogs Ihre Zielgruppen direkt erreichen und mit Ihnen in einen Dialog treten.
Social Media verändert die Art der Kommunikation und nimmt damit auch Einfluss auf die Unternehmensprozesse.
Qualitätsbeauftragte, die sich mit diesen Prozessen beschäftigen, sollten sich also auch mit der Unternehmenskommunikation befassen und umgekehrt. Deshalb ist es wichtig, Social Media in den ganzen Unternehmensprozess zu integrieren.
Die Aufgabe des Qualitätsbeauftragten ist, sich in diese Prozesse mit einzubringen, Verbesserungsansätze aufzuzeigen und dies in einem bereits zertifizierten Unternehmen oder in einem zu zertifizierendem Betrieb umzusetzen.

Was bedeutet das letztendlich für mich und meine Weiterbildung zum Qualitätsbeauftragten TÜV?

Ich persönlich sehe es als wichtig an, Social Media optimal in die betrieblichen Prozesse zu integrieren. Hierzu ist es meiner Meinung nach wichtig zu wissen, wie dies in einem zertifizierten Unternehmen umgesetzt werden kann.
Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, mich mit den Aufgaben des Qualitätsbeauftragten zu befassen, um dies bei der Implementierung einer Social Media Strategie in ein Unternehmen mit einfliessen zu lassen.

Nachdem ich mich nun bereits ein wenig in die Thematik eingearbeitet habe, muss ich sagen, dass die neue Norm leider keinen Bezug darauf nimmt, wie Unternehmen mit Daten umgehen sollen. Dies sollte meiner Meinung nach unbedingt noch nachgeholt werden. Die Datenmengen werden immer größer. Datenschutz und der Umgang damit sollte in einer Norm wie der 9001 mit integriert sein. Ausgehend davon, dass die neue Norm für die nächsten ca. 10 Jahre Gültigkeit hat, wird sich hier wohl vor 2025 nicht sehr viel tun, was ich persönlich als große Lücke in dem Zertifizierungssystem ansehe.

Deine Meinung ist gefragt.

Wie stehst du zu diesem Thema? Gibt es andere Social Media Manager, die meinen Ansatz teilen? Welche Zusammenhänge siehst du zwischen den qualifizierten Prozessen eines Unternehmens und Social Media?
Schreib es mir in die Kommentare. Ich freue mich sehr auf deine Meinung.

8 Comments

  1. Veröffentlich von Jennifer am 3. Februar 2017 um 17:49

    Interessanter Artikel, super!

    Man merkt, dass du im Thema drin bist, auch, wenn der Umstieg Social Media -> QB für dich nicht ganz hürdenlos war (weiß ich ja sogar aus erster Hand 😉 ). Als absoluter QB Laie kann ich nicht mit allzuviel Fachwissen um die Ecke kommen aber den Zusammenhang hast du mir jedenfalls schön klar aufgezeigt.

    “Wer, über was, wann, mit wem und wie kommuniziert werden soll” – wird zu selten ausgearbeitet oder sichtbar gemacht. Oder zu selten angepasst. Da spreche ich aber aus meinen eigenen Erfahrungen in der Berufswelt, die ich bisher so kennengelernt habe.

    Finde ich persönlich auch wichtig, über den Social Media Tellerrand hinausblicken zu können und zu WOLLEN. Wer wagt, gewinnt. Oder provoziert zumindest. Beides zeugt aber von Vorwärtskommen. Unsere aktuelle Medienkommunikation ist so schnelllebig und komplex, da kann Stillstand und ‘Un’struktur auch mal Erfolg vereiteln…



  2. Veröffentlich von Andre am 3. Februar 2017 um 18:41

    Hallo Jennifer,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Ich kann dir nur zustimmen.
    Über den Tellerrand hinaus schauen und nicht stehen bleiben, empfinde ich nicht nur als wichtig, sondern als unerlässlich.
    Wenn man sich in irgend einer Form abgrenzen möchte und einen Bereich besetzen will, der noch nicht so bespielt wird, geht das nur über neue Ideen und Mut neues auszuprobieren, auch wenn es einem am Anfang vielleicht unlogisch erscheint.

    Viele Grüße
    André



  3. Veröffentlich von Iris Hüttemann am 3. Februar 2017 um 20:12

    Hallo André,
    ich bin ja eine Leidensgenossin – ich habe im Sept. 2015 die gleiche Reihenfolge in den Kursen gehabt und mich ähnlich gefühlt, wie Du es beschreibst – wir haben uns unlängst darüber unterhalten.
    Auch mir sind die Zusammenhänge erst im Laufe der QB Weiterbildung bewusst geworden.
    Die Erfahrung, die ich in den ersten Monaten der Selbständigkeit gemacht habe, ist leider anders. Kunden ist die Notwendigkeit der Anpassung ihres QM im Zusammenhang mit einem Auftritt in den Sozialen Kanälen nicht wirklich bewusst. Da wird eher die Anforderung “6.000 Fans in 6 Monaten” gestellt, als eine sinnvolle Strategie und Planung eines entsprechenden Auftrittes gefordert.
    Ich denke, da müssen die SoMeManager, die jetzt, dank der LVQ und Lars Hahn, auch als QB durch die Welt gehen, noch viel Beratungs- und Aufklärungsarbeit leisten. Vielleicht muss aber auch der ein oder andere Kunde erst einmal erfahren, was es heißt, einem Shitstorm ausgeliefert zu sein.
    Wir werden aber auf jedem Fall immer auf diese Zusammenhänge hinweisen – nur steter Tropfen höhlt ja bekanntlich den Stein.

    Viele Grüße
    Iris



  4. Veröffentlich von Andre am 3. Februar 2017 um 21:09

    Hallo Iris,
    es muss noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Aber die Unternehmen, die bereits zertifiziert sind oder sich zertifizieren lassen möchten, sind meiner Erfahrung nach schon offen für das Thema. Nur nicht jeder sieht die Notwendigkeit, Social Media mit in die Prozesse einzubinden. Das muss noch weiter voran getrieben werden.

    Viele Grüße
    André



  5. Veröffentlich von Gina-Lisa Hißmann am 5. Februar 2017 um 01:54

    Hallo André !
    Ich kann mich meinen Vorrednern anschließen, interessanter Einblick und man merkt du bist voll im Thema.
    QB vs SoMeM ist vielleicht für viele nicht ersichtlich gewesen, durch deinen Beitrag wird sich das wohl ändern.

    Mir gefällt deine Art des Schreibens sehr. Ich bin gespannt was ich noch von dir lesen werde.

    Liebe Grüße

    Gina



  6. Veröffentlich von Andre am 5. Februar 2017 um 09:35

    Hallo Gina,
    das Thema ist gerade sehr aktuell für mich und es war mir ein Anliegen, auf die Zusammenhänge zwischen SoMe und Zertifizierungen hinzuweisen.
    Mir ist es wichtig, Social Media Management als integrierten Prozess im Unternehmen zu sehen und dabei kann eine Zertifizierung helfen, aber nur wenn diese auch vollends durchdacht wurde und keine Prozesse aus der Zertifizierung ausgrenzt. Die Din En ISO 9001 hat meiner Meinung nach hier noch Verbesserungspotential.
    Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar.

    Viele Grüße
    André



  7. Veröffentlich von Lars Hahn am 7. Februar 2017 um 11:06

    Klasse!
    Wie ich mich über diesen Artikel freue. Social Media Management kann eben auch Teil eines Managementsystems sein und die Mutter aller Managementsysteme ist meist QM.
    Wo hatte ich das noch gleich gesagt? 😉

    Übrigens Datenschutzmanagement gibt’s ja bei uns auch als Weiterbildung. 🙂

    In der Tat wird von vielen Unternehmen Datenschutz neben IT-Sicherheit, Arbeitsschutz etc. auch in das Managementsystem integriert.

    Danke Dir noch mal für diesen Blickpunkt aus der Sicht eines frischen Absolventen!



  8. Veröffentlich von Andre am 7. Februar 2017 um 17:27

    Hallo Lars,

    es freut mich sehr, dass dir mein Artikel gefällt.
    Ich hatte da vor kurzem mal ein Gespräch, bei dem ich die Anregung für diesen Blogartikel aufgegriffen habe.

    Datenschutzmanagement wäre vielleicht auch nich einmal was, aber erst konzentriere ich mich auf den QB, den Online Redakteur, den Projektmanager und meine beruflichen Ziele als Social Media Berater.

    Viele Grüße
    André



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